Wo kommt der “Day of visibility” eigentlich her und wie sah es vorher aus ? In unserer bunten Welt kann sich heute kaum jemand vorstellen, dass noch vor wenigen Jahrzehnten queere Lebensentwürfe und Gleichgeschlechtliche Liebe nicht nur verpönt, sondern verfolgt und mit schweren Strafen belegt waren.

Ein Beitrag von Aidan, Aquarius und Xephon.

Zu Zeiten der Weimarer Republik ging es weit weniger bunt, sondern eher trist und grau zu. Die Menschen waren mit dem nackten Überleben beschäftigt. Zwar waren Formen von Homosexualität bekannt, aber vor allem Künstler, Schriftsteller oder Promis konnten sich einen solchen “Lifestyle” leisten. Heutige Formen wie demi-, pan-, bi- oder metrosexualität gab es nicht bzw. waren weitgehend unbekannt. Homosexuelle Handlungen wurden unter Strafe gestellt. Dabei gab es deutliche Unterschiede zwischen “Händchen halten”, Küssen oder den weniger schwer bestraften “Schenkelverkehr”. Vollzogener Geschlechtsverkehr wurde hart mit Zuchthaus bestraft. Viele Homosexuelle ( meistens CIS Männer ) wurden ins Konzentrationslager verschlepppt, musste zur Kennzeichnung einen diskriminierenden “rosa Winkel ” tragen und waren auch in der Hierarchie dort “ganz unten”.

Der Paragraf 175 des Strafgesetzbuches war das Instrument der Kriminalisierung und Verfolgung der Homosexuellen.

Das ist lange her und weit weg? Obwohl viele jüngere Wuffel das denken könnten, sieht es in vielen Teilen der Welt heute noch so aus. Schlimmer noch: homosexuelle Menschen werden dort gesteinigt, gefoltert, umgebracht.

In der DDR wurde der Straftatbestand “homosexuelle Handlungen” “Unzucht” bereits 1968 abgeschafft. Im real existierenden Sozialismus konnten homosexuelle und Menschen mit anderen Lebensentwürfen scheinbar freier Leben – wenngleich die homosexuelle Szene auch in den 1980er Jahren noch intensiv von der Staatssicherheit überwacht wurde. Homophobie staute sich auch in der dortigen Staatsform auf und entlud sich – spätestens nach der “Wende” dann auch ganz offen in “schwuler Gewalt” – begangen nicht nur von Neonazis. Nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 befanden sich Homosexuelle in Ostdeutschland in einem Paradoxon: denn das Recht der DDR galt nicht mehr. Plötzlich waren sie wieder “175er”!

Am 17. Mai 1990 strich die WHO Homosexualität aus ihrem Krankheitskatalog und seit dem 17. Mai 2006 wird an diesem Datum regelmäßig für die LGBTQ+ Rechte und gegen Homo-, Trans-, Bi-, Intersexuellenphobie gekämpft.

Auch erinnert das Datum 17.5. an den § 175. Grade die vor 1970 geborenen konnte die bittere Erfahrung machen, als “175er” beschimpft zu werden. Erst am 11. Juni 1994 wurde der Paragraph 175 auch in der Bundesrepublik gestrichen.

Aber selbst heute leben wir in einer Gesellschaft in der “schwul” als Schimpfwort oder Negativlabel funktioniert und leider auch in einigen Musikszenen entsprechend verwendet wird. Probleme machen aktuell auch bestimmte Gruppen von Migranten, die sowohl transphob, homophob als auch antisemitisch erzogen wurden. Aktuell haben mehrere ranghohe Politiker die Ausweisung solcher Personen/Gruppen gefordert.

Solange uns dies im Alltag begegnet ist der IDAHOBIT wichtig und wenn wir im nächsten Teil der Serie auf die Entwicklungen in den östlichen Mitgliedsstaaten der EU blicken wird dies noch deutlicher.